Bericht der Rheinischen Post vom 18.02.2012

35 Gruppen aktiv an Rosenmontag

zuletzt aktualisiert: 18.02.2012

Wesel (RP). Für Tausende Jecken ist der Weseler Rosenmontagszug die Krönung der närrischen Session. 35 Fußgruppen, Spielmannszüge, Motto- und Showwagen starten, wie gewohnt, um 12.30 Uhr an der Kolpingstraße.

Von dort geht es über die Korbmacher und die Kreuzstraße zur Esplanade. Weiter geht's über den Kornmarkt, die Ritter- und die Baustraße zum Berliner Tor. Erstmals endet der Zug am Menuitdenkmal am Moltkeplatz.

 

                                                                           (zum Vergrößern auf die Karte klicken)
                                                  Der närrische Lindwurm endet am Montag am Menuitdenkmal
                                                  auf der Moltkestraße. Danach ziehen die 35 Fußgruppen, Spiel-
                                                  mannszüge und Mottowagen über die Luisenstraße und die
                                                  Kurt-Kräcker-Straße zur Feier in die Niederrheinhalle.
 
 
 

An jeder Achse zwei Ordner

Ebenfalls neu: Jeder Traktor und jeder Anhänger wird von jeweils vier Ordnungskräften begleitet – so will es das NRW-Innenministerium. "Pro Achse also zwei Leute", sagt CAW-Chef Karl-Friedrich Moshövel. Weil der Carnevals-Ausschuss-Wesel die Vereine und Gruppen frühzeitig über die Neuerung informiert habe, hätten alle noch das nötige Personal bekommen. Auch wenn das sicher nicht immer leicht gewesen ist. "Der Prinzenwagen wird vom THW begleitet, ein anderer von der Jugendfeuerwehr", weiß Moshövel. Vom Begleitpersonal befreit sind übrigens Pkw. Davon fahren diesmal auch einige mit. Beispielsweise hat die KG "Wir sind immer dabei" ein Auto geschmückt und will unter dem Motto "Eulen nach Athen tragen" die Euro-Krise aufs Korn nehmen.

  

Unmittelbar nach dem offiziellen Ende des Zuges fahren beziehungsweise marschieren die Aktiven über die Luisenstraße, den Flamer Weg, die Dinslakener Landstraße und die Bahnunterführung Kurt-Kräcker-Straße zur Niederrheinhalle. Dort wird bei Kaffee und Kuchen, Limo, Cola, Bier, Sekt und Wein weitergefeiert. Der Nachwuchs amüsiert sich bei der Kinderdisco im Parkettsaal.

 

Beste Gruppen werden gekürt

Und wie immer wird eine dreiköpfige Jury, bestehend aus Karnevalisten aus Xanten, die drei schönsten Mottowagen und Fußgruppen küren. Die Gewinner erhalten jeweils Geldpreise.

 
 

 

 

Bericht der NRZ vom 31.01.2012

Ist der Karneval reformbedürftig?

31.01.2012 | 18:48 Uhr

Ist der Karneval reformbedürftig?
Tanzgarden bestimmen den Weseler Karneval nachdrücklich, wie kürzlich bei der FKK-Sitzung. Foto: Gerd Hermann

 

Wesel.

Vereine reagieren auf veränderte Rahmenbedingungen. Im Dorf funktioniert, was in der Stadt so nicht mehr geht.

 

Der Aufwand ist immens. Teils wird ein ganzes Jahr lang geprobt. Aber nicht immer folgt allen Mühen der erhoffte Lohn. Die Besucherzahl beim Tanz- und Kostümfest am vergangenen Wochenende sei, wie schon im Vorjahr, erneut rückläufig gewesen, beklagt Monika Krebbing, Präsidentin des Feldmarker Karnevalskomitees. „Man muss sich dem Thema stellen“, sagt ihr KVC-Kollege Adalbert Gose. Der Elferrat der Kolpingsfamilie will neue Formen des Karnevals ent-

wickeln. Der Karneval birgt Elemente in sich, die nach wie vor gefragt sind. Aber in einer sich immer schneller verän-

dernden Gesellschaft erhält man ihn offenbar nicht, indem man seine traditionellen Formen aufrecht erhält. Aktuelle Show-Formate des Fernsehens tragen dazu nachdrücklich bei, wie Karl Friedrich Moshövel, Präsident des Weseler Karnevalsausschusses (CAW), weiß.

„Von Politik will keiner mehr was hören“

Zwar sei, so Moshövel, die Resonanz bei den Karnevalsveranstaltungen „ziemlich gleich geblieben“, aber um das zu erreichen, müsse man sich „heute mehr Gedanken machen“. Zum Beispiel darüber, dass die Menschen „von der Politik gar nichts mehr hören“ wollen. Büttenreden müssten schon einen lokalen Bezug haben. Und wenn man auf Nonsens ausweiche, werde der an der Konkurrenz im Fernsehen gemessen und sei auf diesem Niveau unbezahlbar. „Da wagt man kaum, selbst noch was zu machen.“

Während der KVC auf Büttenreden ganz verzichtet, weil „mucksmäuschenstill zuhören“ nicht mehr funktioniere (Gose), gehört die Bütt für Monika Krebbing einfach dazu: „Die Büttenrede muss den Anfang machen, da sind die Zuhörer noch aufnahmefähig.“

Die handy-verliebte Jugend zu gewinnen sei ein Hauptproblem, sagt sie. Für die sei oft nur Party machen angesagt. Darauf aber dürfe man den Karneval nicht reduzieren, sagen die Macher der Vereine übereinstimmend. Wo das mit dem Nachwuchs noch funktioniert, sind die Tanzgarden. Die Feldmarker Tanzwiesel hätten so viele Interessenten, dass sie gar nicht alle aufnehmen könnten, sagt Adalbert Gose vom KVC. Durch Wettkämpfe wird das Tanzen zum Ganzjahreshobby.

In Büderich ist Dabeisein Ehrensache

Entscheidend ist neben dem „Wie“ das „Wo“. In kleineren Orten oder Stadtteilen ist Karneval noch Ehrensache. „Wir haben hier tolle Unterstützung“, sagt Gabi Gockeln, Vorsitzende der KKG in Büderich - sowohl bei den Vorbereitungen und der Finanzierung durch Firmen als auch beim Besuch der Sitzungen. Mit von Nachbarn auf die Bühne gebrachtem Dorfgeschehen können sich die Menschen identifizieren. Das klappt hier sogar bei den jungen Leuten, wenn auch in separaten Veranstaltungen. Sie entwickeln Kombinationen mit Party-Elementen, wie in Ginderich.

„Vor 15 Jahren, als ich Prinz war, war die Niederrheinhalle mit 1000 Leuten voll“, erinnert sich Jürgen Göbeler, Präsident des Elferrates der Kolpingsfamilie. Die Zeiten sind vorbei. Aber es sei gelungen, „15 bis 20 neue junge Leute“ zum Mitmachen zu gewinnen, die auch ein jüngeres Publikum mitbrächten. Mit einem Jugendbeauftragten im Vorstand sollen die Formen des Karnevals hinterfragt werden. Die Tradition müsse man erhalten, aber man dürfe Prunksitzung oder Elferrat in Frage stellen und es vielleicht etwas lockerer angehen lassen.

„Wir haben in Wesel 13 Karnevalsvereine“, sagt Göbeler, „und jeder macht seine eigene Sitzung.“ Vielfalt sei schön, aber sein Hinweis geht in die Richtung, die auch Monika Krebbing anspricht, nämlich über „eine große Gemein-schaftssitzung“ nachzudenken.

Joachim Freund

 

Bericht der NRZ vom 31.01.2012

Ehrung

Von Rübi bis zu Herrn Wulff

31.01.2012 | 18:01 Uhr

Von Rübi bis zu Herrn Wulff
Dagmar Evert-Kruse wurde der silberne Rübezahl-Orden verliehen. Foto Johann Ridder / WAZ FotoPool

 

 

Wesel.

Mit einer knallroten langhaarigen Perücke und im Harlekin-Kostüm kam Dagmar Ewert-Kruse zur Verleihung des „Silbernen Rübezahl“ durch die Karnevals-Gesellschaft „Silesia“.

 

 

Und sie hatte eine lange Rede im Gepäck, bei der vor allem Bundespräsident Christian Wulff sein Fett abbekam.

Gisela und Hartmut Stelzer hatten zusammen mit ihren jecken Freunden mit etwa 80 Prozent eigenem jugendlichen Nachwuchs in den Saal der Gaststätte Schepers eingeladen. Mehrere ehemalige „Rübezähler“, politische und honorige Prominenz, aber auch die Weseler Oberjecken – CAW-Vorstand, Prinzenpaar Ludger I. und Elke I. nebst Kinderprin-zenpaar Justin I. und Lea-Marie I. – sowie Gäste aus Brünen füllten den Saal bei der 15. Verleihung dieser Art. Eine ungewöhnlichen Veranstaltung, wie Bürgermeisterin Ulrike Westkamp hervorhob.

Erstmals wurde Rübezahl mit einer Frau in Verbindung gebracht: Dagmar Ewert-Kruse, den Weseler Bürgern als aktive Mitstreiterin beim Bau der historischen Rathausfassade bekannt, wurde mit dem silbernen Rübezahl-Orden ausge-zeichnet, erhielt Knüppel, Mütze und Urkunde. Die ausgefeilte und auf die Bundespolitik bezogene Rede der neuen Ordensträgerin schlug einen Bogen vom Aussehen des guten alten „Rübi“ zu dem von Bettina Wulff und Angela Merkel und schließlich zum Bundespräsidenten und stimmte manche im Saal nachdenklich. Zum Schluss stimmte sie den Schlager vom „alten Holzmichl“ an. Und natürlich sammelte sie bei der Gelegenheit für die Umsetzung der weiteren Rathaus-Pläne.

Mit dem Hit „Schenk mir ein Foto von dir“ tanzte und sang das Kinderprinzenpaar nebst Pagen und stahl dem erwachsenen Prinzenpaar ein wenig die Schau. Gisela Stelzer schlüpfte wieder in die Rolle des Till. Das Volksmusikensemble um den Akkordeon-Virtuosen Victor Werner hielt die Jecken noch lange bei guter Laune.

Johannes Karger